Ratschlag 2/ 2017

Ein Zentrum für demokratische Bildung?

von Katharina Krefft

 Inzwischen konnten wir es besser beleuchten, dieses Zentrum für demokratische Bildung, ein seit 2011 bestehendes und seit diesem Jahr unter Leitung von Schulmuseum/Werkstatt für Schulgeschichte geführtes Sachgebiet mit der Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention sowie der neugeschaffenen Geschäftsstelle für Jugendbeteiligung.

 Nun also wird es mit Leben erfüllt. Und Leben bedeutet Platz. Die große Frage, die sich am Streit um den Kinosaal in ein ganz anderes Licht stellte, ist: Wo kann dieses Zentrum den Platz bekommen, den es braucht? Schon das Schulmuseum hatte im Saalbau zu wenig Platz, doch eine Alternative zu suchen, bspw. eine leer stehende Schule, wurde 2012 vom OBM aufgegeben – leere Schulen wurden wieder als Schulen reaktiviert.

 Das Schulmuseum sollte also dauerhaft am Goerdelerring verbleiben. Mit der Aufgabenerweiterung als Zentrum für demokratische Bildung ist nun aber wirklich zu wenig Platz, und dem Ansinnen der SPD, sich diesen zu erkämpfen, indem das Bürgerkomitee mit seiner Sonderausstellung und Archivräumen aus dem Saalbau mit Kinosaal verdrängt wird, wurde von uns, mit CDU und FDP, eine klare Absage erteilt. Die „Runde Ecke“ ist der Ort der Repression, hier war die Staatssicherheit der DDR für den Bezirk Leipzig untergebracht, von hier aus organisierte sie ihr perfides Unterdrückungssystem. Und nebenan, im Saalbau, wurde den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dafür etwas geboten: Kino, Kegelbahn, Feste. Sie sollten spüren, dass sie auf der richtigen Seite standen.

 Tatsächlich ist die Entscheidung, wo das Zentrum für demokratische Bildung seinen Ort zur Entfaltung bekommt, enorm schwierig, wenn nicht einmal klar ist, wohin diese Entwicklung geht. Wir waren erstaunt, dass es nicht nur an einem Stadtratsbeschluss dazu mangelt, sondern auch an einer Konzeption. Lediglich ein Leitbild ist vorhanden. Nun mag das dem Anfang geschuldet sein, warum aber dann schon nach Räumen gesucht wird, ja sogar die offene Konfrontation mit den Bürgerrechtlern[1] , bleibt offen.

 Für uns als diejenige Fraktion, die die Entstehung des Jugendparlamentes angestoßen und im Rat immer weiter vorangebracht hat, als langjährig oftmals einzige Unterstützerfraktion des Schulmuseums und als Fraktion, die immer wieder Beteiligung, Demokratie und Transparenz einfordert, ist dieses Vorgehen mehr als befremdlich. Was könnten wir nicht alles mit diesem Zentrum veranstalten, um in die Gesellschaft zu wirken, was wäre nicht alles möglich, und wäre nicht die Vernetzung mit weiteren Partnern wie der Volkshochschule als dem Akteur für städtische Erwachsenenbildung, der Stadtbibliothek mit der Demokratiebibliothek und nicht zuletzt dem Bürgerkomitee und der Stiftung Friedliche Revolution sinnvoll?

 Bislang wird das Zentrum nur für Jugendbildung gedacht, es soll Kinder, Jugendliche, Lehrer und Lehrerinnen ansprechen. Schon ein kurzer Blick in die Jugendstudien der Stadt und bundesweit zeigen aber, demokratische Bildung muss viel stärker die Eltern, die Erwachsenen in den Blick nehmen. Nicht nur ist Pegida eine Bewegung gerade nicht der Jugend, sondern von Erwachsenen, sondern auch jenseits davon sind es Großeltern und Eltern, die ihren Kindern durch tägliche Kommentierung Wertung und Haltung mit auf den Lebensweg geben; sind es Mitarbeitende und Vorgesetzte, Behördenangestellte und Manager, Straßenbahnfahrer und Richterinnen, die die demokratische Verfasstheit, die Toleranz von Minderheit und die Offenheit für Vielfalt lebendig machen oder eben gerade ersticken.

Ein Zentrum für demokratische Bildung muss viel mehr sein als eine Aufarbeitung der politischen Indoktrination von Schule. Es muss sich die Bildung und Stärkung der öffentlichen Meinung gegen Antidemokraten, Vielfaltsgegner und Chauvinisten zur aufklärenden Aufgabe machen.