Schulentwicklungsplan 2017

Rede in der Ratsversammlung vom 21.Juni 2017

Katharina Krefft

 Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren und Damen Stadträte, Gäste und VertreterInnen der Medien,

 Schule braucht Platz. Den haben die Schülerinnen und ihre Lehrkräfte aktuell nicht! In viel zu vielen Schulen wird überbelegt. Was bedeutet denn Kapazitätsüberschreitung? Es bedeutet, dass zu große Klassen in zu kleinen Räumen UNTERrichtet werden. In den Hof können die Kinder nur im Wechsel. Das Mittagessen wird in 5 Runden eingenommen. Größere Schüler müssen also 2,5 Stunden warten, bis sie essen dürfen!

 Eine vorübergehende Überbelegung wird zur Regel.

 Die Ursache liegt zum einen an den fehlenden schulbaulichen Kapazitäten. Es fehlt demnach an Schulen, an Klassenräumen. Es fehlt an Freiflächen für die Pausen, an Sitzplätzen in der Mensa und an Kapazität in den Ausgabeküchen. Es fehlt an Turnhallen.

 Es fehlt aber nicht nur an räumlichen Voraussetzungen für die Schulen, es fehlt nicht nur am dritten Pädagogen, wie der Schulbau auch bezeichnet wird. Es fehlt ebenfalls an Lehrkräften. Das führt dazu, dass optimiert wird – und Optimierung ist Schönsprech.

 Meine Herren meine Damen, sehen wir uns eine markante Tabelle in der SEP an, die Anzahl der Klassen nach Klassenstärken. Waren im SJ 14/15 die meisten Klassen 19 – 26 Kinder stark, sind  2016 in den meisten Eingangsklassen 24-28 Kinder. Eingangsklasse bedeutet, dass diese noch wachsen können. Bei dem Zuzug in die Stadt ist davon auszugehen! Jahrgangswiederholer müssen darum bereits heute die Schule wechseln! Für die Zukunft verheißt das nichts Besseres!

 „Optimierte Bedarfsverteilung“? Man kann keinen Bedarf verteilen, denn dieser ist da. Es geht um die Verteilung von Kindern, und diese Verteilung wird optimiert? Es ist eine sehr eigentümliche Wortschöpfung, aber was bedeutet sie:

Optimierung bedeutet Klassenzusammenlegung bis an die Schmerzgrenze. Um Klassen zu sparen, werden gemeinsame Schulbezirke eingerichtet, damit statt Klassengrößen mit 20 oder 21 Kindern 28er Klassen gebildet werden können. Was eine rechnerische Optimierung ist, hat Stress für Lehrerinnen zur Folge. Es ist ein Unterschied, ob ich in einer Klasse mit 21 Kindern 2 Kinder mit Förderbedarf habe oder in einer 28er Klasse. Vielen Kindern wird das nicht gerecht. Fehlt es an der Unterstützung der Eltern, hat dies sehr schnell Auswirkungen auf den Lern- und damit letztlich auf den Schulerfolg einzelner Kinder. Das ist inakzeptabel. Ganz besonders mit dem Wissen, dass heute schon jedes siebente Kinder ohne formalen Schulabschluß ins Erwachsenenleben gehen.

 Darum stellen wir hier zur Abstimmung, keine weiteren Schulbezirke zusammenzulegen! Wir machen diese Optimierung nicht mehr mit. Denn sie führt in keiner Weise dazu, dass den Familien eine Wahl bleibt – hier mehr sportlich, dort mehr künstlerisch. Sie nimmt aber den Schulleitungen die Möglichkeit, mit den Eltern und Kindern zu arbeiten, indem sie bereits vor der Einschulung erreicht werden. Die Kinder machen die Schulvorbereitung an der anderen Schule, und die Eltern gehen zu einem Schulfest oder Infoabend an der anderen Schule. Bildung ist Bindungsarbeit! Lassen wir die Schulleitungen an der Bindung und Vernetzung arbeiten, und hören wir auf, Ihnen gefrustete Eltern zu schicken.

 Darum ist auch nötig, die bisherigen gemeinsamen Schulbezirke zu betrachten: haben sie ihr Ziel erreicht? Sind Losverfahren zumutbar? Wie ist die Einschätzung der Schulleitungen, der Lehrerinnen, der Eltern? Das kann einfach abgefragt und aufbereitet werden, es geht uns nicht um eine kostenaufwendige Evaluierung, sondern um authentische Rückmeldungen.

 In Frage steht, ob Kapazitäten durch Optimierung geschaffen werden können. Bei dem nötigen Bedarf eine einfache Aufgabe: natürlich nicht. Das Schüleraufkommen ist viel zu hoch, als dass es mit 5-6 Umlenkungen optimiert werden kann. Optimiert wird nur der Lehrereinsatz.

 Wirkliche Kapazitäten schaffen wir nur mit neuen Schulen oder Erweiterungen. Und da liegt die Krux. Es ist nicht hilfreich, dass sie  „Klugscheißerei“ unterstellen, Herr Oberbürgermeister, - im Übrigen eine unbotmäßige Form der Auseinandersetzung und ein klares Zeichen für das Gebell eines getroffenen Hundes. - Es wurde ja nicht nur zu spät begonnen, aus Planungserkenntnissen auch Bauvorlagen zu stricken und Fördermittelanträge fristgerecht zu stellen. Die Schulen werden auch nicht fertig. Einmal, weil der Fördermittelgeber mauert, zum anderen weil bauen ungefähr so voraussehbar bleibt wie eine Seefahrt: da modern die Balken, arbeitet ein Pilz oder fehlt ein Gewerk. Erschwerend kommt hinzu: Es ist nicht attraktiv, sich auf städtische Ausschreibungen zu bewerben. Das sollte uns gehörig zu denken geben! Eigentlich eine prima Aufgabe für den Wirtschaftsbürgermeister! Für den Kämmerer sowieso, denn Bauunternehmen haben es nicht nötig, ein halbes Jahr oder länger aufs Geld zu warten. Das Ergebnis: Gorki und Ratzel verzögern sich. Gut, es gibt Vorinterim. Doch es drängt sich! Die Planung sieht einen nahtlosen Wechsel in den Vorinterims vor. Zu lange Belegung verhindert andernorts den Baustart! Um hier Entlastung zu schaffen, beantragen wir Planung und Bau eines allgemeinen, gut erreichbaren Vorinterims. Ich rufe in Erinnerung: Weiterhin sind Schulen nicht saniert. Die vielen Baumaßnahmen richten sich auf die Kapazitätserweiterung, weniger auf die Sanierung im Bestand. Allein schon wegen der fehlenden Ausweichmöglichkeiten können gar keine weiteren Schulen komplex saniert werden. Hierfür muss ebenfalls mehr Platz geschaffen werden.

 Wir warten und warten auf diesen Platz! Die Ihmelsstraße sollte bereits 2019 an den Start gehen, tatsächlich beginnt die Oberschule als Interim und das Gymnasium ist für 2024f folgende eingetaktet. Die Fritz-Baumgarten-Erweiterung und der Neubau Adler verzögern sich um 1 Jahr, die Gymnasien Karl-Heine um 2 und Mitte sogar um 6 Jahre. Dafür wird ein Systembau in die Glockenstraße gestellt. So lange wird Platz mehrfach genutzt, Horträume werden belegt, Musikzimmer, ganz zu schweigen von fehlenden Räumen für Beratung und Austausch mit Eltern oder im Kollegium.

 Auch der fehlt, der Platz für Beteiligung

 Bezeichnender Weise ist ja keine Zeit für Beteiligung, aber für die Verzögerungen schon! Während der Freistaat als Fördermittelgeber sich eine maßlos lange Zeit der Beteiligung nehmen darf    haben die Nutzerinnen der Gebäude das Nachsehen. Ich will mal nicht so laut schimpfen, denn es tut sich ja was bei der Beteiligung. Bei 54 Baumaßnahmen – von der Erweiterung bis zum Neubau von 16 Schulen im Grundschulbereich und 41 Baumaßnahmen im weiterführenden Bereich ist das ein ambitioniertes Unterfangen. Aber es ist nötig! Und die Hinweise von Schulleiterinnen, Lehrerinnen, Kindern und Eltern sollten ernsthaft abgewogen werden. Ein schwarzer Boden mag für den Architekten toll sein, für die Nutzer ist er das nicht!

 Die Beteiligung braucht ihren Platz allerdings nicht nur beim Schulbau. Auch bei der gesetzlich verankerten Beteiligung der Schulkonferenzen am Schulnetzplan ist der Wunsch nach Platz verlautbart. Vielfach, artikuliert auch durch den Stadtelternrat, werden 8 Schulwochen für die Beratung zum Schulentwicklungsplan gefordert. Diese Zeit ist einzuräumen, darum können wir im Übrigen die andere Forderung des Stadtelternrates nicht unterstützen, bereits 2018 einen neuen SNP vorzulegen.

 Meine Herren, meine Damen, zum Schluß möchte ich auch einmal auf Bildungsbeteiligung und damit auf die Schulen eingehen, die regelmäßig nicht betrachtet werden. Die Schulen des zweiten Bildungsweges, also Abendoberschule, Abendgymnasium und Kolleg. Hier werden SchülerInnen, die nicht mehr schulpflichtig sind, auf den späten Erwerb von weiterführenden Abschlüssen vorbereitet. Wir haben auch hier einen siebenprozentigen Anstieg und dennoch wird nur eine Bestandssicherung angestrebt. Wir meinen, die Formulierungen „neue bildungspolitische Ziele“ und „wirtschaftliche Entwicklungen“ sollten ausformuliert und präzisiert werden. Immerhin schaffen viele Schulabgänger den Abschluß nicht, ziehen viele Menschen ohne Abschluß nach Leipzig, viele wollen einen höheren Abschluß erreichen. Eine Erweiterung der Kapazitäten auch hier würde die Bildungskarrieren vieler junger Menschen unterstützen.

 Ich schließe: Lassen wir den Schulen mehr Platz, sie brauchen ihn. Für die Entfaltung des Wertvollsten, das wir haben: unsere Kinder.