Rede zum Antrag WOHNGEMEINSCHAFT CONNEWITZ

in der Ratsversammlung vom 15.11.2017

von Katharina Krefft

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Herren und Damen Stadträte, Gäste, der Medien,

 Zuhause. Sich in einem Haus zugehörig fühlen. Dazugehören. An einen Ort, eine Gemeinschaft, einen Stadtteil, eine Gesellschaft. Hier bin zu Hause, hier ist mein Heim

 Wir - Grüne, Linke und in der Neufassung auch die SPD - beantragen hier, jungen Erwachsenen ein Zuhause, ein eigenes Heim zu ermöglichen. Gut, sie haben ein Zuhause, das elterliche. Und sie wären nicht obdachlos, wenn sie auszögen. Es gibt spezialisierte Heime für Menschen mit Behinderungen.

 Doch die Herangewachsenen wollen etwas anderes, sie wollen ausziehen und sie wollen gemeinschaftlich eigenständig leben. Und wir Grüne wollen das, wollen damit auch etwas neues ermöglichen. Wir wollen die Alternative. Wohnen für Menschen mit Behinderungen soll nicht mehr alternativlos das Heim sein, sondern ihr Heim.

 Die Wohngemeinschaft Connewitz hat sich auf den Weg gemacht, sie wurde ermuntert, diesen Weg zu gehen. Nun braucht sie zum wirklichen Gelingen doch die öffentliche Hand. Damit ist es eine politische Entscheidung. Es könnte ja jeder kommen und für sein Privathaus Geld von der Stadt erwarten. Darum ist der Verwaltungsstandpunkt ablehnend, aus Gleichbehandlungsgründen kann die Stadt hier nicht ein Tor öffnen, und anderen wieder verschließen.

 Wir Grüne nehmen uns heraus, das zu tun. Weil wir es politisch wollen. Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen eigenständig, selbstbestimmt leben und wohnen können. Wir anerkennen, dass sich die Eltern stark machen, dass sie mit eigenem Geld und eigenem Vermögen vorangehen.

 Dieses Vorangehen ist gleichzeitig auch der Kern des Problems. Die Initiative war schneller als eine Förderkulisse. Seit 1.1.17 sind Projekte wie dieses i.R. der „Richtlinie gebundener Mietwohnungsraum“ förderfähig aus öffentlicher Hand – aber nicht wenn bereits mit dem Bau begonnen wurde.

 Wie lange will man immer warten? Wir halten es für richtig, voranzugehen mit eigenem Risiko. Aber wir lassen Mutige nicht im Regen stehen. Zum Abschluß des Wohnprojektes braucht es 180 000€, um Mehrkosten aus Baukostensteigerungen und zusätzlichen Anforderungen wie einer Brandwand, also die Gesamtfinanzierung sicherzustellen – und damit werden weitere 240 000€ von der Aktion Mensch gewonnen. Dieses Geld wird unserer Stadt zu Gute kommen. Und Leipzig bekommt ein neues Wohnprojekt mit Erbpachtbindung für 99 Jahre, die Stadt sichert sich Belegungsrechte ab dem Zweitbezug und wird im Grundbuch eingetragen.

 Wir freuen uns über diese private Initiative, über den Beitrag zu einer inklusiven Normalität. Und wir bitten um Zustimmung, um möglich zu machen, was sonst noch nicht möglich ist: Selbstbestimmtes Wohnen für Menschen mit Behinderungen. Ein Zuhause in der eigenen Wohngemeinschaft.