Preisverleihung des 1. Louise-Otto-Peters-Preises am 23. Oktober 2015


Rede der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis '90/ Die Grünen

Katharina Krefft


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

sehr geehrte Frau Prof. Grande,

sehr geehrte Frau Dr. Berndt,

sehr geehrte Frau Prof. Stengler,

sehr geehrte Festgesellschaft,


ich spreche heute als Mitglied des Beirates für Gleichstellung bei der Initiierung des Preises und als Mitglied der Jury, deren Mitglieder im Weiteren die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Leipzig, Frau Lapön, Frau Dr. Grams, Frau Ehms, Frau Heller, Frau Kleinschmidt, Frau Langner, Frau Röckel und Frau Schenk waren.



Die Geschichte aller Zeiten hat es gelehrt und die Heutige ganz besonders, dass diejenigen, welche selbst an ihre Rechte zu denken vergessen, auch vergessen werden.


Wie selbstverständlich erscheinen uns heute die Errungenschaften der Frauenbewegung. Ganz selbstverständlich arbeiten Frauen und verdienen innerhalb ihrer Branche grundsätzlich denselben Lohn. Wie selbstverständlich beanspruchen Frauen und Männer Betreuung für ihre Kinder? Wie selbstverständlich lernen und leben Frauen und Männer heute gemeinsam!


Es ist nicht selbstverständlich.




Es war ein harter Kampf, den die Frauenbewegung ausgefochten hat. Louise Otto-Peters war die Begründerin der modernen Frauenrechtsbewegung und immer wieder sollen wir uns vergegenwärtigen, was sie damals antrieb. Es ist ja die Gegenwart, die die Errungenschaften mit Füßen tritt, die jeden Montag und auch mittwochs oder samstags durch die Stadt schreitet und Frauen auf ihre Mutterschaft reduziert und zum Zurücktreten, zum Unterordnen auffordert, und Frauen ihre Repräsentanz in der Öffentlichkeit abstreitet. Und wie bereitwillig überhören die Berichterstattung, die veröffentlichte und die öffentliche Meinung diese Forderungen.


Der Beirat für die Gleichstellung von Mann und Frau in der Stadt Leipzig hingegen hat es sich angenommen, die Erinnerung wachzuhalten und ins Heute zu transkribieren. Auf Initiative der Historikerin Gerlinde Kämmerer wurde im Beirat über eine Medaille beraten und schließlich in der Ratsversammlung beantragt, einen eigenen Preis für das Engagement für die Gleichstellung von Männern und Frauen in Leipzig zu vergeben. Vorangegangen war eine Beschäftigung mit den Preisen, die die Stadt Leipzig auslobt und sich an der Auslobung beteiligt. Für die Rechte von Frauen gab es bis dahin keinen Akzent und auch als Preisträgerinnen sind Frauen in allen Auszeichnungen unterrepräsentiert oder werden gar überhaupt nicht berücksichtigt.


Wer seine Rechte vergisst, wird vergessen. Darum erinnern wir an die Frauenrechtebewegung, die in der Großstadt Leipzig, in der Arbeiterinnenstadt, ihren Anfang nahm. Wenn wir an 1000 Jahre Leipziger Stadtgeschichte denken, denken wir an Frauen, die diese Geschichte geschrieben haben. So ist es eine besondere Wertschätzung des Stadtrates von Leipzig, im Jahr der 1000-jährigen Ersterwähnung der Stadt die Preisvergabe zu realisieren. Damit geben wir uns und der Öffentlichkeit die Freiheit, sich immer wieder mit der Situation von Frauen und Männern auseinanderzusetzen und auszuzeichnen, wer die Gleichstellung in besonderer Weise verwirklicht.


Die Jury hat sich aus den Kriterien, was preiswürdig ist, diese besonders zu Eigen gemacht:

  • Aktionen und Initiativen für Geschlechtergerechtigkeit und selbstbestimmte Lebensgestaltung von Frauen und Männern.

  • Langjähriges erfolgreiches Engagement auf dem feld der Gleichstellungspolitik in Vereinen, Institutionen oder politischen Parteien.

  • Initiierung einer öffentlichen Debatte zu einem wesentlichen gleichstellungspolitischen Thema.


Ich freue mich über die Preisvergabe!